Meine Aufgabe als Sterbebegleiter

Sterbebegleitung heißt für mich, empathisch zu begleiten, mit Ehrfurcht, Respekt, Stille, Gefühl und absoluter Präsenz.

Der Sterbende bekommt seine ganz besondere Zuwendung, wird gehalten und gestreichelt, wenn er/sie es wünscht - und erfährt eine vertraute Nähe und Mitgefühl.

Sterbende denken über die eigene Lebensbilanz nach, sind angesichts des kommenden Todes konfrontiert mit den Sinnfragen des Lebens. Aufmerksames, zugewandtes Zuhören gehört zu den wichtigsten Bedürfnissen von Menschen, die bald von uns gehen werden.

Besonderer Respekt gilt den Überzeugungen des Menschen, der am Ende seines Weges eine persönliche Bilanz ziehen möchte. Es steht dem Begleiter nicht an, diese Anschauungen in Frage zustellen, eine positive Bestärkung ist verdient und angemessen.

Ich bin ein Mensch, der sich nicht nur hingibt. Ich nehme gerne etwas mit von dem Menschen, der sich aufmacht, seinen Frieden zu finden – im ganz wörtlichen Sinne.

Schön ist, wenn in einer friedvollen Atmosphäre ein würdevoller Abschied ermöglicht werden kann.

Das ist meine Aufgabe. Die kann ich mit Liebe erfüllen.

Ich fragte einen sterbenden Freund in der Phase der Resignation:

Was brauchst du jetzt, was hilft dir jetzt, durch diesen schwierigen Moment, durch diese Angst, durch diesen Schmerz, hindurchzugehen, um nicht in der Verneinung stehen zu bleiben, in Abwehr oder Resignation, was brauchst du jetzt, um dein Herz wieder zu öffnen und dein Sterben noch tiefer zu verstehen, um dem Prozess zu vertrauen, um dich nicht als Opfer einer Tragödie zu sehen und weiter aus Angst dagegen zu kämpfen, sondern dich als einen Tropfen erkennst, der mit einem tiefen Loslassen und dem Verstehen des ewigen Lebens in Dir, in den Ozean zurückkehrt.


Die Antworten drücken das Wesentliche der Sterbebegleitung aus:

Sei einfach hier mit mir als Mensch, der meine Hand hält, der keine Angst hat, der mich nicht bewertet, der mir wirklich zuhört, und der mir hilft, zu verstehen, was ich jetzt noch nicht verstehen kann, den Sinn meines Sterbens, diese inneren Prozesse, die oft so schwierig und schmerzhaft sind. Bitte hör mir einfach zu, wenn ich über meine Ängste spreche, meine seelischen Schmerzen, über meine Scham- und Schuldgefühle, über das, was ich falsch gemacht habe. Und über meine tiefen Wunsch, mich auch gerade jetzt geliebt zu fühlen.